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Es ist ein stiller, aber folgenreicher Irrtum unserer Sprache, dass sich die „Ausgangslage“ durchgesetzt hat – und nicht die „Eingangslage“.
Denn wer von Ausgangslagen spricht, denkt vom Ende her: von dem, was bereits geformt, begrenzt und festgelegt ist.
So wird der Mensch unbemerkt zum Verwalter des Gegebenen, statt zum Gestalter des Möglichen.
Die „Eingangslage“ hingegen richtet den Blick auf den Ursprung, auf den Moment, in dem noch nichts entschieden ist.
Sie erinnert daran, dass jede Wirklichkeit einmal ein offener Anfang war.
In ihr liegt nicht die Last der Umstände, sondern die Freiheit der Wahl.
Eine Sprache, die die Eingangslage vergisst, verliert den Zugang zur eigenen schöpferischen Kraft.
Sie trainiert uns darin, zu reagieren, statt bewusst zu initiieren.
Doch jede echte Veränderung beginnt nicht bei dem, was ist – sondern bei dem, was eingelassen wird.
Darum braucht es eine Rückkehr zur Eingangslage: als geistige Haltung, als sprachliche Korrektur und als Grundlage eines bewussteren, paxloveistischen Lebens.
Eine kleine Randbemerkung:
In der vermeintlich klar umrissenen Ausgangslage zwischen Mann und Frau, die sich aus historisch sedimentierten Erwartungen, unausgesprochenen Rollenmustern und einem Geflecht gegenseitiger Zuschreibungen speist, verbirgt sich oft eine bereits vorentschiedene Dramaturgie, deren Ursprung – die eigentliche Eingangslage – im Moment der ersten, noch ungerichteten Begegnung leise übergangen wird.
Denn während sich beide in einer Ausgangslage wiederfinden, die von Erfahrungen, Projektionen und gesellschaftlich vorgeformten Bildern durchzogen ist, bleibt die Eingangslage als jener fragile, kaum greifbare Zustand bestehen, in dem Wahrnehmung noch nicht durch Deutung ersetzt worden ist.
So entfaltet sich ein Verhältnis, das weniger aus dem hervorgeht, was zwischen ihnen geschieht, als aus dem, was bereits in die Ausgangslage eingeschrieben war, noch bevor ein bewusstes Einlassen stattfinden konnte.
Die eigentliche Komplexität liegt daher nicht in der Differenz von Mann und Frau, sondern in der kaum bemerkten Verschiebung von einer offenen Eingangslage hin zu einer verfestigten Ausgangslage, die im Nachhinein als selbstverständlich erscheint.
Und vielleicht ist es genau diese unbemerkte Transformation, in der sich entscheidet, ob Begegnung als lebendiger Prozess bestehen bleibt oder als Wiederholung vorgezeichneter Muster erstarrt.
Zweite kleine Randbemerkung:
Die Liebe geschieht nicht in der Ausgangslage, sondern in jener flüchtigen Eingangslage, in der noch alles möglich und nichts festgelegt ist.
Sobald man sie jedoch in eine Ausgangslage zwingt, beginnt sie sich leise zu entziehen.
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Erstveröffentlichung: 25.04.2026 17:10
Letzte Aktualisierung: 25.04.2026 17:10
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